Samanu zu Nowruz – traditioneller persischer Weizenkeim-Brei bei Haftsin

Samanu – die süße Weizenpaste ohne Zucker

Samanu (سمنو) ist eines der sieben Symbole der Haft-Sin-Tafel – und das einzige, das man selbst kochen muss, wenn man es nicht kauft. Eine dunkle, dickflüssige Paste aus gekeimtem Weizen, tiefsüß, ganz ohne Zucker.

Süß ohne Zucker – wie geht das?

Das ist der Punkt, der Samanu besonders macht. Beim Keimen des Weizens entstehen Enzyme, die die Stärke im Korn in Zucker aufspalten – dieselbe Reaktion wie beim Malzen von Getreide für Bier. Nach stundenlangem Kochen bleibt eine Paste übrig, die so süß ist wie Karamell, obwohl nur Weizen und Wasser hineingekommen sind.

Genau das ist auch die Symbolik: Aus etwas Unscheinbarem entsteht durch Geduld etwas Wertvolles.

Bedeutung im Haft-Sin

Samanu steht für Wohlstand, Fruchtbarkeit und Geduld. In vielen Familien ist das Kochen selbst der eigentliche Brauch: Frauen einer Familie oder Nachbarschaft treffen sich, rühren abwechselnd am Topf und erzählen sich dabei Geschichten – eine Nacht, die traditionell Samanu-Pazan heißt.

Wie wird Samanu hergestellt?

Der Ablauf erklärt, warum die meisten es kaufen:

1. Weizen mehrere Tage einweichen und keimen lassen, bis die Triebe etwa zwei Zentimeter lang sind.
2. Die Keimlinge zerkleinern und auspressen, um die süße Flüssigkeit zu gewinnen.
3. Mit Mehl verrühren und 8 bis 12 Stunden unter ständigem Rühren köcheln – Samanu brennt sehr leicht an.
4. Fertig ist er, wenn die Masse tief dunkelbraun ist und glänzt.

Von Anfang bis Ende dauert das vier bis fünf Tage, davon eine durchgekochte Nacht. Deshalb ist gekauftes Samanu in Europa die Regel und keine Ausnahme.

Wie isst man Samanu?

Meist pur, teelöffelweise – er ist sehr süß und sättigend. Sonst:

Serviert wird er in kleinen Schälchen, oft mit einem Muster aus Mandelstäubchen oder Zimt obenauf.

Lagerung

Ungeoffnet kühl und dunkel. Nach dem Öffnen in den Kühlschrank – dort hält Samanu ein bis zwei Wochen. Er wird dabei fester; kurz bei Raumtemperatur stehen lassen macht ihn wieder streichfähig.

Rechtzeitig bestellen

Samanu wird saisonal produziert, und die Menge, die nach Europa kommt, ist begrenzt. Kurz vor Nowruz ist er regelmäßig ausverkauft. Wer sicher gehen will, bestellt zwei bis drei Wochen vorher.

Die komplette Liste für das Fest: Nowruz-Einkaufsliste. Alle Artikel: Haft-Sin und Nowruz.

Häufige Fragen

Was ist Samanu?

Eine dunkle, süße Paste aus gekeimtem Weizen – eines der sieben Symbole der Haft-Sin-Tafel zu Nowruz.

Ist in Samanu Zucker enthalten?

Nein. Die Süße entsteht allein durch den Keimprozess, bei dem die Stärke im Weizen in Zucker umgewandelt wird.

Wie lange dauert die Zubereitung?

Insgesamt vier bis fünf Tage – mehrere Tage Keimen und anschließend 8 bis 12 Stunden Kochen unter ständigem Rühren.

Wofür steht Samanu im Haft-Sin?

Für Wohlstand, Fruchtbarkeit und Geduld – dafür, dass aus Kleinem durch Ausdauer etwas Wertvolles entsteht.

Wie isst man Samanu?

Meist pur in kleinen Portionen, zu Fladenbrot oder mit Nüssen bestreut – immer mit Tee dazu.

Wie lange hält sich geöffnetes Samanu?

Im Kühlschrank ein bis zwei Wochen.