Haft-Sin-Tafel zu Nowruz – die sieben Symbole des persischen Neujahrs

Haft-Sin – die 7 Symbole der Nowruz-Tafel

Der Haft-Sin (هفت‌سین) ist der festlich gedeckte Tisch zum persischen Neujahr Nowruz. Der Name heißt wörtlich „sieben S“: Auf dem Tisch stehen sieben Dinge, deren persische Namen alle mit dem Buchstaben س (Sin) beginnen. Jedes steht für einen Wunsch an das neue Jahr.

Nowruz fällt auf die Frühlings-Tagundnachtgleiche, meist den 20. oder 21. März – und zwar auf die exakte Minute, in der die Sonne den Äquator kreuzt. Diesen Moment nennt man Tahvil, und die Familie sitzt dann gemeinsam am Haft-Sin.

Die sieben S

1. Sabzeh (سبزه) – Keimlinge

Gekeimte Linsen, Weizen oder Gerste in einer Schale. Sie werden zwei bis drei Wochen vor Nowruz angesetzt und stehen für Wiedergeburt und Wachstum. Am 13. Tag nach Nowruz, an Sizdah Bedar, wird das Sabzeh ins fließende Wasser gegeben – es soll das Unheil des Jahres mitnehmen.

2. Samanu (سمنو) – Weizenkeim-Paste

Eine dunkle, süße Paste aus gekeimtem Weizen, ohne jeden Zucker – die Süße entsteht allein durch das Keimen. Steht für Kraft und Wohlstand. Die Zubereitung dauert ein bis zwei Tage und wird traditionell gemeinsam von Frauen einer Familie oder Nachbarschaft gemacht.

3. Senjed (سنجد) – Mehlbeere

Die getrocknete Frucht der Ölweide, mehlig und mild-süß. Symbol für Liebe und Weisheit. Man sagt, ihr Duft wecke die Liebe.

4. Seer (سیر) – Knoblauch

Eine ganze Knolle, ungeschält. Steht für Gesundheit und Schutz.

5. Seeb (سیب) – Apfel

Rote Äpfel für Schönheit und Gesundheit.

6. Somagh (سماق) – Sumach

Das rote Gewürz steht für die Farbe des Sonnenaufgangs – den Sieg des Lichts über die Dunkelheit. Mehr dazu: Sumach.

7. Serkeh (سرکه) – Essig

Steht für Geduld, Alter und Weisheit – dafür, mit Würde älter zu werden.

Was sonst noch auf den Tisch gehört

Diese Dinge zählen nicht zu den sieben S, fehlen aber auf kaum einem Haft-Sin:

  • Spiegel – für die Rückschau auf das vergangene Jahr
  • Kerzen – eine pro Kind der Familie, für Licht und Energie
  • Bemalte Eier – Fruchtbarkeit, oft ebenfalls eine pro Familienmitglied
  • Goldfisch im Glas – für Leben und Bewegung (heute zunehmend umstritten, viele nutzen Deko-Fische)
  • Münzen – Wohlstand
  • Ein Buch – meist der Divan des Hafez, aus dem zu Nowruz gelesen wird, oder der Koran
  • Hyazinthe (Sonbol) – für den Duft des Frühlings
  • Rosenwasser (Golab) und Süßigkeiten

Sieben – warum diese Zahl?

Die Sieben gilt in der persischen Kultur seit vorislamischer Zeit als heilige Zahl. Im Zoroastrismus gibt es die sieben Amesha Spenta, die schützenden Wesenheiten. Der Haft-Sin in seiner heutigen Form ist deutlich jünger, das Frühlingsfest selbst aber sehr alt – Nowruz wird seit über zweieinhalb Jahrtausenden gefeiert und steht heute auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.

Wann wird der Tisch gedeckt?

Einige Tage vor Nowruz, oft nach dem großen Frühjahrsputz (Khane Tekani). Er bleibt bis Sizdah Bedar stehen, also 13 Tage lang. In dieser Zeit besucht man Verwandte, beginnend bei den Ältesten.

Häufige Fragen

Was bedeutet Haft-Sin?

Wörtlich „sieben S“. Sieben Gegenstände, deren persische Namen mit dem Buchstaben Sin beginnen, stehen für je einen Wunsch an das neue Jahr.

Wann ist Nowruz?

Zur Frühlings-Tagundnachtgleiche, meist am 20. oder 21. März – auf die Minute genau berechnet.

Was passiert mit dem Sabzeh nach Nowruz?

Am 13. Tag, an Sizdah Bedar, wird es ins fließende Wasser gegeben. Es soll das Unheil des Jahres mitnehmen.

Warum sieben?

Die Sieben gilt in der persischen Kultur seit vorislamischer Zeit als heilige Zahl, unter anderem durch die sieben Amesha Spenta im Zoroastrismus.

Muss man alle sieben haben?

Traditionell ja, aber viele Familien improvisieren – gerade außerhalb Irans. Wichtiger als Vollständigkeit ist, dass überhaupt gedeckt wird.

Schreibt man Haft-Sin oder Haftseen?

Beides ist gebräuchlich, ebenso Haft Seen oder Haftsin. Es gibt keine feste deutsche Umschrift des Persischen.

Alles für die Haft-Sin-Tafel finden Sie in unserer Haft-Sin-Kollektion und unter Nowruz.